02.03.2017

Haushaltsorganisationstraining der Caritas im Bistum Görlitz

Caritas hilft bei Familienchaos

Der Wäschekorb quillt über, der Kühlschrank ist leer, die Wohnung vergammelt: Bei manchen Familien läuft nicht alles rund. Ihnen hilft die Caritas mit ihrem Haushaltsorganisationstraining (HOT) nun auch im Bistum Görlitz.

Das Bistum Görlitz unterstützt das Caritas-Projekt mit großzügiger Spende. | Foto: Jutta Lehmann

Bischof Wolfgang Ipolt hat Caritasdirektor Bernhard Mones  einen Scheck über 10 683 Euro übergeben. Das Geld soll über das neue Caritas-Projekt HOT (Haushaltsorganisationstraining) Menschen zugute kommen, die in nicht intakten Familienverhältnissen leben. Die Ausbildung von fünf Familientrainern kann damit fast vollständig finanziert werden.  Die Lehrgangsgebühren je Trainerin betragen 2786 Euro. Görlitz ist die erste ostdeutsche Diözese, die das Projekt übernimmt. Bundesweit gibt es HOT bereits an rund 300 Standorten. Bei einer Bewertung seiner Wirksamkeit schnitt es vor fünf Jahren erfolgreich ab.

Ein Ergebnis des Jahres der Barmherzigkeit
„Ich freue mich, dass im Bistum so viel Geld für unser neues Angebot zusammen gekommen ist“, sagte Caritasdirektor Mones. Der Großteil des Geldes war bei der Bistumswallfahrt im vergangenen September gesammelt worden. „Wir rechnen damit, dass unsere Mitarbeiter im Oktober ihre Ausbildung erfolgreich abschließen werden, um danach in den Familien bei der Bewältigung des Alltags helfen zu können.“ Zurzeit liefen Verhandlungen mit den Jugendämtern, die diese Familienhilfe in der Regel finanzieren.
Bischof Ipolt informierte darüber, dass diese Unterstützung insbesondere durch das von Papst Franziskus ausgerufene Heilige Jahr der Barmherzigkeit zustande gekommen ist. Der Bischof richtete seinen Blick aber auch über viele Jahrhunderte zurück in die Zeit, als dem Christentum nach der Verfolgung von Kaiser Konstantin die freie Religionsausübung gestattet wurde. „Das Auffälligste an der kleinen Gruppe der Christen war ihr Verhalten zu den Armen und Schwachen der damaligen Gesellschaft“.
Im Jahr der Barmherzigkeit seien besonders die Werke der Barmherzigkeit neu zum Leuchten gebracht worden, fuhr der Bischof fort. „Wir haben uns in unserem Bistum überlegt, dass dies auch ein bisschen handgreiflich werden sollte. Im vergangenen Jahr wurde die Bistumswallfahrt unter diese Thematik gestellt und deren Kollekte sowie die Spenden, die im Laufe des Jahres in Neuzelle eingingen, werden nun für Aktionen der Menschlichkeit eingesetzt. Dieses Geld ist nicht nur für uns Christen bestimmt, sondern wird in die Gesellschaft, wird nach außen wirken.“
Caritasdirektor Mones betonte, die Caritas versuche, dort, wo Hilfe nötig ist, die Menschen zu unterstützen.“ Der Caritasverband engagiere sich schon seit mehreren Jahren für Familien in besonderen Notlagen. Dabei gibt es Familien, die schon bei einfachen lebenspraktischen Aufgaben überfordert sind. An dieser Stelle setze das Konzept von HOT an, Familien lebenspraktisch in der Haushaltsführung zu unterstützen: Wie gehe ich mit Geld um? Wie sortiere ich die Wäsche? Wann wasche ich diese? Wann wird gebügelt? Welche Impfungen braucht mein Kind? Wie muss ich den Alltag gestalten, damit mein Kind pünktlich in die Schule oder Kita kommt? ...

Kirche füllt Gesetzeslücke
Dass entsprechende Leistungen noch nicht gesetzlich geregelt sind, kommentierte Bischof Ipolt mit den Worten: „Kirche ist auch dafür da, Lücken des Gesetzes zu füllen. Wir machen an der Stelle etwas, an das  die Gesetzgebung bisher noch nicht gedacht hat“.

Von Raphhael Schmidt