19.01.2017

Neujahrsempfang von Bischof Ipolt

Christliche Werte nicht verstecken

Görlitz. Beim Neujahrsempfang von Bischof Ipolt ging es um Werte. Die frischen Klänge des Jugendchores der Kathedrale, der den Empfang mitgestaltete, fanden dabei viel Applaus.

Anstoßen auf das Neue Jahr – beim Neujahrsempfang des Bischofs gab es viele Gelegenheiten zu Gesprächen und guten Wünschen.

„Es wird gegenwärtig darauf ankommen, dass wir Christen unsere Werte nicht verstecken oder kleinreden, dass wir uns nicht frustriert in eine Schmollecke zurückziehen, wenn uns angeblich keiner mehr verstehen will, sondern vielmehr deren befreienden Hintergrund sichtbar machen“, sagte Bischof Wolfgang Ipolt am 14. Januar bei seinem Neujahrsemfang im St. Otto-Stift in Görlitz unter anderem. Weiter wachsen könne „die Liste der Werte oder der Wertekodex und kann auch nach unseren modernen Verhältnissen ergänzt werden“. Der Bischof nannte Ergänzungen: „Nachhaltigkeit, Achtsamkeit im Umgang mit der Schöpfung, Selbstbegrenzung, Friedensbereitschaft, Respekt vor Andersdenkenden (was nicht zu verwechseln ist mit einer ,Soft-Toleranz‘, die alles Mögliche kritiklos hinnimmt). Immer aber geht es dem gläubigen Menschen darum, den Willen Gottes zu erkennen und ihn mit Begeisterung vorzuleben, damit andere motiviert werden, sich diesem Weg anzuschließen“.
Immer wieder gern kommt Landrat Bernd Lange (CDU) zu den Neujahrsempfängen des Görlitzer Bischofs – „seit 16 Jahren ununterbrochen. Und auch heute sage ich wieder Danke dafür. Wir sind ein aufeinander abgestimmtes, aufeinander angewiesenes Team“, sagte der Landrat. Migration und Integration, aber auch Freude über das Geleistete im Investitionsbereich – für die Hilfe der Kirche dabei ist er dankbar.

„Nur mit Dankbarkeit kann man Kraft gewinnen“
„Bei jedem Gebäude, jeder Straße, die wir in Ordnung gebracht haben, vergessen wir oft, dankbar dafür zu sein, dass wir das im Frieden tun und uns Gesundheit dabei begleitet. Das ist das, was in unserer Gesellschaft nicht oft genug gesagt wird. Man kann nur mit Dankbarkeit Kraft gewinnen“, sagte Lange.
Generalvikar und Dompropst Dr. Alfred Hoffmann hatte zuvor die Gäste begrüßt und dabei die Herrnhuter Jahreslosung zitiert. Sie lautet für 2017: „Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in Euch.“ (Ezechiel 36,26) „Im kirchlichen Jargon nennen wir das Bekehrung, die von Gott initiiert wird“, sagte er.
Bevor Diözesankirchenmusikdirektor Thomas Seyda mit dem Jugendchor der Kathedrale St. Jakobus  das nächste Musikstück zu Gehör brachte, erinnerte der Generalvikar an ein wichtiges Jubiläum in diesem Jahr, an die heilige Hedwig, deren Heiligsprechung sich zum 750. Mal jährt. Sie kam ins „polnische Schlesien als Fremde, heute würden wir sagen als Migrantin“.
Martina Münch (SPD), Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg sprach vom gemeinsamen Anliegen, das kulturelle und geistige Erbe zu bewahren. „Dazu gehört, kulturelles Erbe erfahrbar und anschaulich zu machen, etwa durch die Nutzung von Bauwerken für kulturelle Zwecke oder für die Vermittlungsarbeit. Ein gutes Beispiel hier im Bistum ist das Kloster Neuzelle“, so die Ministerin. Der Ort „entfaltet Anziehungskraft für Touristen, die das Heilige Grab und die anderen Schätze bewundern, ist aber auch als Bildungsstandort attraktiv und zugleich eine bedeutsame Wallfahrtsstätte.“ Die Ministerin begrüßte es „außerordentlich, dass die Zisterzienser von Heiligenkreuz beabsichtigen, eine Filiale in Neuzelle zu errichten und wieder mönchisches Leben zu etablieren. Die Zisterzienser werden – davon bin ich überzeugt – dem historischem Klosterstandort Authentizität zurückgeben und gemeinsam mit der Stiftung und der Schule dafür sorgen, dass der Ort zusätzlich belebt wird und noch mehr Aufmerksamkeit findet. Gerade in einer Region, wo nur wenige Christen leben, wird damit auch die Seelsorge gestärkt“, sagte sie und freut sich darüber, dass die „Gespräche zu diesem Ansiedlungsprojekt begonnen haben“. Die Ministerin dankte Bischof Ipolt für sein nachdrückliches Engagement in dieser Angelegenheit.

Noch 351 Tage hat das Jahr – wofür nutzen wir sie?
Generalsuperintendent Martin Herche erinnerte daran, dass wir  „noch 351 Tage in diesem Jahr vor uns haben. Wie gut. Allerdings stellt sich die Frage, wofür wir sie nutzen. Neujahrsempfänge helfen, dafür tragfähige Antworten zu finden“, so Herche.
„Wenn alles so bleibt, wie es ist, wird bald nichts mehr so sein, wie es war“ zitiert Hartmut Schirmer, der Diözesanvorsitzende. „Dies galt schon vor 500 Jahren als die Kirche nicht imstande war, notwendige Veränderungen auch tatsächlich zu vollziehen“, sagt Schirmer unter anderem.
Journalisten waren an Prälat Hubertus Zomacks Einschätzung zum chinesischen Kalender interessiert. Am Rande sagte er: „Es ist  das Jahr des Feuerhahns: Ich sage nur eins dazu: Trump lässt grüßen“. Dem Bistum wünscht er: „Möglichst keinen Feuerhahn auf irgendeinem Dach!“.
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Von Raphael Schmidt