02.03.2017

650 Jahre Kirchweihe auf dem Hülfensberg

Der Gehülfe auf dem Berg

Der Hülfensberg ist bis heute der beliebteste Wallfahrtsort im Eichsfeld. Im Mittelalter hatte er deutschlandweite Bedeutung. In diesem Jahr wird Jubiläum gefeiert: 650 Jahre Kirchweihe.

Der „Gehülfe“ am Kreuz: Der Korpus stammt nach wissenschaftlichen Untersuchungen möglicherweise aus der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts. | Fotos: Gregor Mühlhaus

Für die Eichsfelder gilt er als der heiligste Berg: der Hülfensberg bei Geismar. Seinen Namen verdankt er dem „Gehülfen“, der dort seit mindestens sechs Jahrhunderten in der Kirche „Christus, der Erlöser“ oder „Christus, der Salvator“ am Kreuz hängt. 650 Jahre Kirchweihe wird in diesem Jahr gefeiert. Das um 1350 erstmals urkundlich erwähnte Gotteshaus war möglicherweise eine der ersten Pfarrkirchen in der Region. Das geht aus einer Urkunde aus dem Jahr 1351 hervor.

Größte Kostbarkeit: das Hülfenskreuz
Im Jahr 1360 war die ursprüngliche Kirche größtenteils bereits einem Neubau gewichen. Das dreischiffige, im frühgotischen Stil ausgeführte Bauwerk erhielt seine jetzige Gestalt erst 1890. Zweifellos ist die größte Kostbarkeit der Erlöserkirche das Hülfenskreuz. Wie Untersuchungen der Technischen Universität Dresden und der Universität Kiel im Jahr 2007 bestätigen, könnte der Kreuzkorpus bereits in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts entstanden sein. Ein Kreuzritter mit Namen Henning von Bartloff soll das Kreuz aus dem Heiligen Land auf den Berg gebracht haben. Jedoch könnte es auch über das Martinsstift in Heiligenstadt auf den Berg gekommen sein. Das früher „Heilige Hülfe“ genannte Bildnis  zeigt Verwandtschaft mit dem des „Volto Santo“ in der italienischen Stadt Lucca
 Wie in der Romanik üblich, ist Christus am Kreuz nicht schmerzerfüllt und leidend dargestellt, sondern als triumphierender König. Seine Augen sind geöffnet. Mit gütigem Blick sieht er den Betrachter an. „Man fühlt tatsächlich, man hat Ansehen beim Blick auf den Herrn“, sagt Bruder Johannes, einer von vier auf dem Hülfensberg lebenden Franziskanern. Auffallend ist auch die Bekleidung Christi mit dem sogenannten „Herrgottsrock“, ein bis zu den Knien reichender Lendenschurz, der durch goldene Sterne verziert ist.
Die Kirche selbst schien bereits im 14. Jahrhundert eine recht einträgliche Finanzquelle gewesen zu sein. Eine Urkunde von 1352 berichtet von der Vermögensausstattung der Hülfensbergkirche, die in der Lage war, Gelder auszuleihen.

Die heutige Gestalt der Kirche stammt aus dem Jahr 1890.

Ablass und Wallfahrten
Der Mainzer Weihbischof Albert von Beichlingen erteilte im September 1367 einen 40-tägigen Ablass für die Besucher des Hülfensberges, wie es in den „Mühlhäuser Geschichtsblättern“ zu lesen ist. Um den Ablass zu erhalten, mussten die Wallfahrer der Kirche des heiligen Salvator Lichter, Kelche und Bücher zum Geschenk machen und die Kirche an zahlreichen Fest-und Patronatstagen, sowie an den Tagen der Feste, im Gebet besuchen. Unter anderem mussten die Kirchgänger beim Umgang um den Kirchhof drei „Vaterunser“ und beim Glockenschlag zur Ehre der heiligen Jungfrau mit gebeugten Knien dreimal das „Ave Maria“ beten.
Der Hülfensberg liegt außerdem an einem der mittelalterlichen Jakobswege und war Ziel einer Jakobuswallfahrt. Gleichzeitig war der Berg aber auch ein regionaler Treffpunkt und Zwischenstation für Wallfahrer auf dem Weg nach Rom oder ins Heilige Land. Außerdem gab es Wallfahrten aus diversen Hansestädten zum Hülfensberg. Befragungen aus dem Jahr 1429 belegen einen Aufschwung der Hülfensberg-Wallfahrt, nachdem die norddeutschen Pilger den Berg für sich entdeckt hatten. So ist in der „Kritischen Abhandlung über den Hülfensberg“ von Johann Wolf aus dem Jahr 1808 zu lesen: „darnach queme die Fahrt von den Seeländern und besserte sich die Fahrt von Tage zu Tage, daß große Suchung dar geschehe“.
Einen tiefen Einschnitt in der Geschichte des Hülfensberges gab es zu DDR-Zeiten. Kirche und Kloster lagen unmittelbar an der damaligen innerdeutschen Grenze. Zwar lebten die ganze Zeit über Franziskaner auf dem Berg, doch Wallfahrten waren nur unter schwierigsten Bedingungen möglich. Nach dem Ende der DDR erfreut sich der Hülfensberg nun wieder wachsender Beliebtheit. Die wichtigste Wallfahrt heute ist die Dreifaltigkeitswallfahrt am Dreifaltigkeitssonntag. Das Jubiläum „650 Jahre Kirchweihe“ wird am 10. September mit einem Festgottesdienst mit dem Erfurter Altbischof Joachim Wanke gefeiert.

Von Gregor Mühlhaus