24.11.2016

Katholische Jugendverbände diskutierten gesellschaftliche Situation

Gelebte Solidarität als Maßstab

Roßbach (bdkj/tdh). Die vielfältigen gesellschaftlichen Spannungen und Verwerfungen besonders im Blick auf den Umgang mit Flüchtlingen und wie Jugendverbandsarbeit damit umgehen kann und muss beschäftigten die Teilnehmer der BDKJ-Diözesanversammlung in Roßbach.

Die gesellschaftlichen Verwerfungen besonders im Blick auf den Umgang mit Fremden und die christlichen Positionen dazu bildeten den Schwerpunkt des Studienteils der BDKJ-Diözesanversammlung. Foto: BDKJ

„Jugendverband im ‚Christlichen Abendland´ – im Spannungsfeld zwischen Tradition und pluraler Gesellschaft“ hatte der Magdeburger Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) den Studienteil seiner Vollversammlung im Oktober überschrieben. Andreas Püttmann, Politikwissenschaftler und Publizist aus Bonn, widmete sich dabei als Referent dem Thema, wie Christsein in einer pluralen Gesellschaft aussehen kann und wie den Vertretern rechter Gesinnung und deren Parolen begegnet werden könne.
Den drei Grundwerten des Konservativismus „Travail, Famille, Patrie“ (Arbeit, Familie, Vaterland) stellte Püttmann die drei christlichen Grundwerte „Glaube, Hoffnung und Liebe“ entgegen. Für Christen sei die Empathie (Liebe) der wichtigste Wertmaßstab, der das Handeln aus dem Glauben heraus bestimmen sollte. In der Diskussion wurde immer wieder das Engagement der Kirchen für geflüchtete Menschen genannt.
Rechtspopulismus sei an Einstellungen und Haltungen zu erkennen, die den christlichen Überzeugungen widersprechen: Daueraufgeregtheit, Egoismus und Hass. Auch kirchlich-konservative Kreise suchten die Nähe der politischen Rechten, bisweilen sogar Russlands – und diskreditieren damit das christliche Ethos der Freiheit, so Püttmann. Unter den Anhängern der rechtspopulistischen AfD seien Kirchenmitglieder  zwar unterrepräsentiert, jedoch gebe es auch in katholisch-konservativen Kreisen eine Nähe zu Vertretern der AFD.
Für die Delegierten der BDKJ-Diözesanversammlung, unter ihnen waren Diözesan-Vertreter Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG), der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ) und Malteserjugend, ist dies erschreckend. Es sei nicht nachvollziehbar, wie Christentum und Rechtspopulismus zusammengehen können, hieß es.
Püttman wies zugleich darauf hin, dass bei kirchennahen Bürgern eine überdurchschnittliche Wahlbeteiligung und Bereitschaft zu sozialem und parteipolitischem Engagement festzustellen sei, sie hätten seltener Vorbehalte, mit Menschen anderer Religion, Hautfarbe oder Herkunft in Nachbarschaft zu leben und würden weniger zu politischem Extremismus neigen.
In der sich anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wie Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus oder Islamfeindlichkeit sich mit dem christlichen Glauben nicht vereinbaren lassen.
An den Abenden der Diözesanversammlung wurden verbands-typische Symbole und Gegenstände als Christbaumanhänger gebastelt. Sie waren im Zusammenhang mit der Landtagswette 2016 für Weihnachtsbäume bestimmt, die von den im Landes-Kinder- und Jugendring (KJR) vertretenen Jugendverbänden, darunter der BDKJ, inzwischen den Landtagsfraktionen übergeben worden sind. Inhalt der Landtagswette war, dass Abgeordnete der Fraktionen CDU, SPD, die Grünen und Linkspartei an Aktionen des KJR teilnehmen und diese mitgestalten. Obwohl die Fraktionen gewonnen haben, wollten aber auch sie ihre Wetteinsätze einlösen.
Turnusgemäß standen auch die Wahlen für den BDKJ-Diözesanvorstand und das BDKJ-Trägerwerk auf der Tagesordnung. Vorstandsvorsitz und geistliche Leitung sind doppelt je von einer Frau und einem Mann besetzt. Jana Burmeister-Hoffmann trat im Sommer aus persönlichen Gründen als Vorstandsvorsitzende zurück, Gemeindereferentin Angela Degenhardt kündigte bereits vor der letzten Wahl an, nicht mehr als geistliche Leiterin zur Verfügung zu stehen. Philipp Winkler als Vorstandsvorsitzender und DiakonChristoph Tekaath als geistlicher Leiter wurden wiedergewählt. Die beiden weiblichen Posten sind auch nach der Wahl vakant. Ein Wahlausschuss soll bis zur nächsten Diözesanversammlung Kandidaten für die Ämter suchen. Ein Kennenlernen oder eine Art „Vorstandspraktikum“ ist möglich. Weitere Informationen gibt es in der BDKJ-Landesstelle.
Bei der Wahl der ehrenamtlichen Verantwortlichen für das Trägerwerk wurden Maria Theumer (KJG), Nico Kleye (Malteserjugend) und Patrick Preißler (DPSG) im Amt bestätigt.

Mehr Infos: www.jung-im-bistum-magdeburg.de