09.03.2017

Kontaktstelle Orientierung in der Leipziger Innenstadt

Kontaktstelle orientiert sich neu

Nach Ostern schließt die Kontaktstelle Orientierung ihren Raum der Stille in der Leipziger Innenstadt. Seit 2001 hielt ein ehrenamtliches Team diese Großstadt-Oase werktags offen. Annette Nossek war von Anfang an dabei.

Psst! Mit pfiffigen Aufstellern machte die Kontaktstelle Orientierung Passanten auf ihre Angebote aufmerksam. | Foto: kna

Alle vierzehn Tage verbringt Annette Nossek den Freitagnachmittag in einem kleinen Büro, das an den Raum der Stille in der  Leipziger Hainstraße angrenzt. Drei Stunden lang hat sie ein Auge auf alles, was in dem schlichten, mit Teppichen ausgelegten Andachtsraum geschieht, nimmt Telefongespräche entgegen, ist offen für Besucher, die nicht nur Stille suchen, sondern jemanden zum Reden.
Wenn gerade niemand da ist, setzt sie sich manchmal selbst in den Raum der Stille und meditiert, so wie sie es in Meditations- und Yoga-Kursen gelernt hat, die Jesuitenpater Bernd Knüfer hier seit Jahren anbietet. „Hier zu sein, tut mir selbst gut“, erzählt die 80-Jährige. Als Großmutter in einer kinderreichen Familie erlebt sie ihr Leben sonst eher selten ruhig und beschaulich. 

Stille hat viele Klangfarben
Von der Atmosphäre des Raumes fühlen sich jeden Tag Menschen angezogen, ist dem ausliegenden Gästebuch und den Aufzeichnungen der diensthabenden Ehrenamtlichen zu entnehmen, mal einige wenige, mal zwanzig oder mehr. „Der Raum ist toll. Danke dafür!“ Ähnliche Worte finden im Gästebuch die Passanten, die es eher zufällig in die ruhige Ladenpassage verschlagen hat, ebenso wie die Stammbesucher, die es immer wieder hierherzieht.

Annette Nossek hofft auf eine gute Zukunft für den Raum der Stille.| Foto: Dorothee Wanzek

Für den jungen Mann, der Annette Nossek Freitagnachmittags ablöst, ist der Raum der Stille ein Stück Heimat geworden. Was Menschen hier suchen und mit Stille verbinden, ist ganz unterschiedlich, weiß die dienstälteste Ehrenamtliche: Spirituelle Erfahrung, Halt und Hilfe bei psychischer Belastung, einen ruhigen Platz, um ihr Baby zu stillen oder ein Nickerchen zu machen. Der eine oder die andere bedarf auch einfach nur des „stillen Örtchens“ der Kontaktstelle. Zumeist in den Abendstunden oder am Wochenende wird der Raum der Stille für Kurse und Veranstaltungen genutzt: Taizégebete, Yoga- und Meditationskurse, Buchlesungen und liturgische Feiern ...

Das neue Konzept ist noch in Arbeit
Die katholische Kirche in der Leipziger Innenstadt präsenter zu machen und ein niederschwelliges Angebot für kirchenferne Menschen zu schaffen, waren die wesentlichen Beweggründe für den Jesuitenorden und das Bistum Dresden-Meißen zur Gründung der „Kontaktstelle Orientierung“ im Sommer 2001. Neben dem „Raum der Stille“ gehört zum Konzept ein Angebot für Seelsorge- und Beratungsgespräche im benachbarten Hauseingang.
Mit den ersten Bauplänen für die neue Propsteikirche kam bereits vor Jahren die Frage auf, wie die katholische Kirche in Leipzig künftig auf suchende und spirituell aufgeschlossene Menschen zugehen will. Kann das, was bisher in der Kontaktstelle Orientierung angeboten wurde, ohne weiteres in die Gemeinderäume der nun zentraler gelegenen Propstei einbezogen werden? Darüber wurde immer wieder nachgedacht, ein erneuertes schlüssiges Gesamtkonzept ist bisher aber noch nicht vollendet. Verzögernd wirkte sich dabei auch der noch nicht abgeschlossene Personalwechsel aus: Pater Clemens Maaß SJ übernahm im September von Pater Hermann Kügler SJ die Leitung der Kontaktstelle. Die Stelle von dessen  Mitarbeiterin Schwester Susanne Schneider MC konnte bisher aber noch nicht neu besetzt werden.
Stetig steigende Mietkosten haben das Bistum und die Jesuiten zu der Entscheidung bewogen, den Raum der Stille zu schließen, bevor ein verändertes Konzept fertig und ein neuer Standort für die Kontaktstelle gefunden wurde. Dass es den in einigen Monaten geben wird, steht außer Frage, teilt Pater Maaß im jüngsten Newsletter der Kontaktstelle mit. Der Beratungsraum wird zunächst erhalten bleiben. Für die Abendveranstaltungen gibt es Ausweichquartiere: Yoga- und Meditationskurse zum Beispiel sollen ab Mitte April in der Kapelle der Katholischen Studentengemeinde (Harkortstraße 19) stattfinden, der monatliche Meditationstag in Räumen der Studentengemeinde am Floßplatz.

Von Dorothee Wanzek