12.01.2017

Joachim Rudolph leitete 14 Jahre das St. Wenzeslaus-Stift

Mann mit Herz verlässt Haus mit Herz

Jauernick. Kommt, seht und genießt mit allen Sinnen – diese Worte könnte man über das St. Wenzeslaus-Stift in Jauernick schreiben. Der „Mann mit Herz“, der dieses „Haus mit Herz“ maßgeblich – und wie er Wert darauf legt, gemeinsam mit seiner Frau Gabriela und seinem Team, zu einer Marke, einem Leuchtturm in der Region, im Bistum und darüber hinaus, entwickelt hat, zieht zum Abschied Bilanz.

So, wie auf dem Foto zu sehen, erlebte man Joachim Rudoph, den Hausleiter des St. Wenzeslaus-Stiftes sehr oft: Kommt herein! Foto: Raphael Schmidt

Wie stellt sich die Entwicklung des St. Wenzeslaus-Stiftes seit 2003 dar?

Als ich das Haus übernahm,  fielen mir gleich beim ersten Besuch spontan Ideen ein, es hell, licht und einladend zu gestalten, so, dass Atmosphäre zu spüren ist in schönem Ambiente. Ich sah im Geiste schon vor mir, wie es werden könnte: renovierte Flure, pfiffig möblierte Zimmer, dekorativ gestaltete Räume, Ecken, Gänge. Das war letztlich mein Auftrag, den ich von Generalvikar Hubertus Zomack erhalten hatte: Ich sollte dieses Wenzeslaus-Stift als ein Haus mit geistlicher Ausrichtung und als offenes Bildungs- und Erholungshaus des Bistums entwickeln. Diesen Auftrag habe ich versucht mit Hilfe vieler umzusetzen, sodass man heute sagen kann: Das St. Wenzeslaus-Stift ist nicht nur ein Name, sondern ein Begriff geworden. Das Ziel, das Haus bekannt zu machen und es zu öffnen, ist in diesen 14 Jahren gelungen. Es ist inzwischen deutschlandweit bekannt – und darüber hinaus. Vielerlei Momente spielen dabei eine Rolle: kreative  Werbung, aber auch der Aufbau und Ausbau eines umfangreichen Netzwerkes mit Adressen und Kontakten in alle deutschen Bistümer. Durch die „via sacra“ als touristische Route in dieser Region ist das Haus ebenfalls in den Fokus gerückt. Entlang dieses Weges bildet es eines der Gästehäuser, um Reisende im Drei-Länder-Eck zu beherbergen. Die Nähe zur Stadt Görlitz mit ihrer einzigartigen Altstadt und als Europastadt mit der polnischen Nachbarstadt Zgorzelec machen den Ort Jauernick-Buschbach mit dem Wenzeslaus-Stift zum beliebten Aufenthaltsort: nicht zu nahe im touristischen Trubel, aber auch nicht zu weit von beliebten Ausflugszielen entfernt.

Stimmt der Eindruck, dass nicht der Ort das Haus bekanntgemacht hat, sondern umgekehrt: Durch das Wenzeslaus-Stift hat Jauernick-Buschbach profitiert?

Ich bin glücklich darüber, dass es eine so gute Verbindung in dieses Dorf hinein und zu den Bewohnern gibt, ein schönes Miteinander. Ich wage kühn zu behaupten: Zentrum des Ortes Jauernick ist das St. Wenzeslaus-Stift. Das zeigt sich bei den Festen, die wir hier feiern. Insbesondere beim jährlichen Weihnachtsmarkt, der aus dem Haus heraus vor einigen Jahren entwickelt und in Jauernick etabliert wurde und der inzwischen bekannt und beliebt ist, sodass er als wichtiger „Geheim-Tipp“ in der Gegend gilt, seit zwei Jahren auch mit einer umfangreichen Krippenausstellung und einem schlesischen „Herrgotts-Schnitzer“. Im Wenzeslaus-Stift begann die Teilnahme an den Dorfwettbewerben, zunächst innerhalb der Region, dann innerhalb des Freistaates Sachsens. Schließlich hat sich der Ort bundesweit weiterqualifiziert – bis hin zum europäischen Dorfwettbewerb. Das ist schon etwas Besonderes. Als die Fachjury des Freistaates Sachsen in unserem Haus ihren Rundgang, der sie dann durch das ganze Dorf führte, begann, hat uns ihr Lob sehr gefreut, dass sie das Wenzeslaus-Stift als Zentrum des Ortes empfand.

Die Mitte des Ortes ist das Wenzeslaus-Stift – was ist die Mitte dieses Hauses?

Für mich ist es die Kapelle! Vielleicht eine ungewöhnliche Antwort für ein Bildungshaus und eine Familienerholungsstätte, denn es gäbe ja auch andere Räume. Als geistliche Mitte gibt die Kapelle dem Haus eine ganz eigene Prägung. In meiner Amtszeit wurde sie umgebaut. Es kamen sakrale Fenster hinein, eine Altar-Insel entstand, die Bänke wurden aufgearbeitet, der Raum erhielt ein schönes Parkett und neue Deckenleuchten. Schließlich kamen die Maler und verliehen mit dem richtigen Anstrich dem Raum Helligkeit, Licht und Weite. Die Kapelle war und ist ein würdiger Ort des Gottes-Dienstes und der Stille, des Lobpreises und des Dankens. Mir ist dabei wichtig, dass der Raum offen für alle ist, über Konfessionen hinweg, für Getaufte und Ungetaufte, Suchende und Betende...

Kann man als „starker Motor des Hauses“ das Mitarbeiterteam auch überfordern?

Anregungen, Impulse, Umsetzung neuer Ideen – in den 14 Jahren ging das alles immer nur zusammen mit den Mitarbeitern, die ich dafür motivieren und begeistern konnte. Zu Beginn meiner Amtszeit war etwas Skepsis da: Was will der wohl alles machen? Inzwischen hat sich das geändert. Wir haben eine Mannschaft, die mitzieht, die sich auch ehrenamtlich einbringt und denen dieses Haus nicht einfach nur ein Dienstort ist, sondern auch ein Stück Heimat und Zuhause.

Was ist gut gelungen in den 14 Jahren, was nicht so?

Nicht alle Ideen und Pläne konnte ich umsetzen. Es gibt beispielsweise Pläne zur Erweiterung des Anwesens durch einen Anbau am Speisesaal. Das lege ich nun hoffnungsvoll in die Hände meines Nachfolgers. Freudig stimmt mich, dass es uns gelungen ist, kontinuierlich die Zahl der Belegung zu steigern. So konnten viele Gruppen und Kirchgemeinden aus den unterschiedlichsten Regionen unseres Landes im Wenzeslaus-Stift beherbergt werden. Auch die Bildungsangebote konnten erweitert werden in enger Zusammenarbeit mit dem Seelsorgeamt des Bistums.

Welche Wünsche gibt es für die Zukunft?

Dass das Wenzeslaus-Stift ein offenes Haus bleibt, dass immer wieder geistliche Impulse von hier ausgehen, dass sich Menschen hier wohlfühlen und eine „Tankstelle“ für Leib und Seele haben und dass für die Menschen in der Umgebung erlebbar wird, ist und bleibt: das ist die Mitte des Ortes, ein Haus der Begegnung und der Gastfreundschaft.

Interview: Raphael Schmidt