22.12.2016

800 Jahre Dominikaner – Leipziger Konvent feierte öffentlich

Mehr als schwarz-weiß

Leipzig. Am 21. Januar, dem Jahrestag der Anerkennung des Dominikanerordens durch  Papst Honorius III., beendet der Dominikanerorden sein weltweites Jubiläumsjahr. Das Leipziger Kloster St. Albert hat das Fest bereits am 15. November, seinem Patronatstag, mit einer Festmesse abgeschlossen. Pater Josef kleine Bornhorst blickt auf die vergangenen Monate zurück.

2016 war für die Leipziger Dominikaner und für die von ihnen geleitete Pfarrei St. Albert ein herausforderndes  Jahr. Neben dem Ordensjubiläum und dem Katholikentag stand für sie auch noch die Renovierung der Kirche und die Sanierung der Orgel auf dem Plan. Foto: privat

Bei den Veranstaltungen zum Jubiläumsjahr haben Sie auch den dunkleren Kapiteln der Geschichte Ihres Ordens auffallend viel Raum gegeben, der Inquisition etwa und dem Ablasshandel. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Image noch stark von diesem historischen Erbe geprägt ist?

Sehr stark. Wenn in der Öffentlichkeit von Dominikanern die Rede ist, geschieht das oft sehr polarisiert, entsprechend unserer Ordenskleidung geraten die Bilder schnell schwarz-weiß. In der Tat gab es im Laufe unserer  Geschichte Schatten, es gab aber auch viel Licht. Zum Jubiläumsjahr ist ein Band mit Vorträgen herausgekommen mit dem Titel „Mehr als schwarz und weiß.“ Auch bei unseren Veranstaltungen in Leipzig ging es darum, der Bedeutung des Ordens näher zu kommen und ihn mitsamt all seiner Grauschattierungen bekannter zu machen. Aber auch die Lichtgestalten des Ordens hatten Platz, im Kamingespräch zum Mystiker Johannes Tauler oder beim Vortrag zum Dominikaner Bartolomé de Las Casas, als Verteidiger der Indios.

Wie ist das aufgenommen worden?

Wir waren zufrieden mit der guten Beteiligung an den Veranstaltungen und mit dem wachen kritischen Interesse, das unseren Vorträgen in der Leipziger Stadtbibliothek, in der Propstei und in der Universität entgegengebracht wurde. Dabei kam auch manches Vorurteil zur Sprache, zum Beispiel, dass die Dominikaner die Hexen verbrannt hätten – was ja so nicht stimmt. Wir hörten von vielen, dass sie einen erhellten, differenzierteren Blick auf unseren Orden bekommen haben.

Hat Ihnen das Jubiläum genutzt, in Leipzig intensiver wahrgenommen zu werden als dies sonst aufgrund der Stadtrandlage Ihres Klosters bisher möglich war?

Diesen Eindruck habe ich. Es war zum Beispiel eine sehr gute Erfahrung, für die Vortragsreihe über die Geschichte des Dominikanerordens mit der Katholischen Akademie zusammen zu arbeiten und an verschiedenen Veranstaltungsorten in der Innenstadt präsent zu sein. Unsere intensive Beteiligung am Katholikentag, der ja auch in unser Jubiläumsjahr fiel, hat sicher dazu beigetragen, in Leipzig mehr wahrgenommen zu werden, ebenso wie das wachsende Miteinander in der pastoralen Verantwortungsgemeinschaft mit den Pfarreien Gohlis und Wiederitzsch. Ein schönes Signal war, dass beim Festgottesdienst mit dem Bischof unsere Chöre gemeinsam gesungen haben. Wir haben auch an einer Veranstaltung im Paulinum teilgenommen.
Die Paulinerkirche war ja über 300 Jahre lang eine wichtige Wirkungsstätte der Dominikaner. Wo es uns möglich war, haben wir auch Gelegenheiten genutzt, uns außerhalb Leipzigs einzubringen, zum Beispiel bei einer Erfurter Tagung über Meister Eckart, der ja eine wichtige Gestalt unseres Ordens war.

Das Jubiläum solle nicht nur Signale nach außen senden, sondern auch Impulse für die Ordensmitglieder geben, hat Ihr Ordensmeister zum Auftakt des Gedenkjahres gesagt. Er lud dazu ein, sich auf das Wesentliche, auf die Ursprünge des Ordens zu besinnen. Welche Impulse haben Sie in Leipzig aus dem Jubiläumsjahr gezogen?

Uns ist in diesem Jahr noch bewusster geworden, dass wir ein geistlicher Ort sein wollen und es als Ordenskonvent und als Pfarrgemeinde ja auch bereits sind. Viele, die unser Gästehaus nutzen, suchen hier für ihre Zusammenkünfte und Tagungen oder auch für sich allein Ruhe und Gemeinschaft in Gebet und Gottesdienst.
Wir machen Angebote, wie zum Beispiel Exerzitien im Alltag oder stille Tage im Kloster. Manche ziehen es vor, ihre Zeit frei zu gestalten und genießen einfach nur die Atmosphäre des Hauses.
Geistlicher Ort zu sein, ist ein Schatz, den wir in Zukunft noch mehr hervorheben möchten. Es geht um Begegnung und um Kontakt zu den Menschen.

Ihr Festjahr fiel mit dem Jahr der Barmherzigkeit zusammen. Ist  Barmherzigkeit auch für die Dominikaner ein Thema?

Der Begriff spielte im Sprachgebrauch des heiligen Dominikus wohl keine so große Rolle. Er sprach aber oft vom Heil der Menschen und hatte ein waches Ohr für jeden einzelnen, nahm ihn ernst auch in seiner Gebrochenheit. In den Fastenpredigten, die wir Leipziger Dominikaner in Bitterfeld und Leipzig gehalten haben, ging es explizit um Barmherzigkeit. Ansonsten begegnet uns das Thema natürlich im Beichtsakrament und in vielen Seelsorgegesprächen. Hier ist es unsere Aufgabe, Menschen etwas von der Barmherzigkeit Gottes erfahren zu lassen.
Aber auch in den alltäglichen Kontakten zu den Menschen in der Pfarrei, im Krankenhaus oder im Gefängnis, wo einige Jahre ein Mitbruder  gearbeitet hat, ist Barmherzigkeit gefragt. Und es gehört auch zu unserem Zusammenleben als Brüder im Kloster, hier einander immer wieder Barmherzigkeit zu schenken, da wird es ganz konkret und ganz persönlich. So verstehe ich auch meine Aufgabe als Dominikaner und als Prior.

Fragen: Dorothee Wanzek