17.11.2016

Tagung zu umweltbewusstem Bauen und sakraler Architektur

Nachhaltigkeit zur Ehre Gottes

Leipzig. Wie ökologisches Bauen und sakrale Architektur zusammengehen, debattierten am Donnerstag Baufachleute, Architekten und Umweltwissenschaftler in der vor anderthalb Jahren geweihten katholischen Leipziger Propsteikirche. Sie gilt als Musterbeispiel für umweltfreundlichen Kirchbau.

Baumeister früherer Zeiten bauten oft nachhaltiger als heute üblich, waren sich die Experten der Leipziger Tagung einig. Das Bild zeigt eine Türklinke am Kölner Dom. Foto: kna

„Beim Bau von Gotteshäusern ist man noch nie sparsam mit Ressourcen umgegangen“, erklärt der Leipziger Propst Gregor Giele. Die Formel „Alles zur größeren Ehre Gottes“ orientiere sich nicht unbedingt an energetischen Aspekten. Im 21. Jahrhundert jedoch kommen auch Kirchbauten nicht um einen „Energiepass“ herum. Theologische, liturgische und spirituelle Vorstellungen müssen mit Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in Einklang kommen.
Wie Roland Krippner von der Technischen Hochschule Nürnberg zeigte, sind gerade Gotteshäuser ein Beispiel dafür, dass nachhaltiges Bauen viel älter ist, als der moderne Begriff selbst. Der Architekt verwies auf Jahrhunderte alte, immer noch intakte Sakralbauten, darunter auch die komplett aus Holz errichtete Stabkirche im norwegischen Heddal aus dem 13. Jahrhundert.
Die verwendeten Baumaterialien sind nach Ansicht Krippners maßgeblich für ökologisches Bauen. Moderne Materialien wiesen mitunter eine längst nicht so hohe Langlebigkeit auf. Das mache dann auch modernste Öko-Haustechnik nicht wett. Sakralbauten seien eben auf sehr lange Nutzungszeiten angelegt, anders als etwa Einfamilienhäuser.
Krippner führte aus, dass sich Kirchendächer in der Regel ideal für den Einsatz von Solarenergie anbieten. Der Einsatz stoße aber insbesondere bei älteren Bauten häufig auf den massiven Widerstand von Denkmalpflegern. Dem widersprach die Denkmalpflegerin der Erzdiözese Wien, Elena Holzhausen, nicht. Sie wandte aber ein, dass es bei moderner Nachhaltigkeit nicht nur mit Blick auf Photovoltaik-Anlagen einen hohen „optischen“ Nachholbedarf gebe: „Wir brauchen dringend eine ästhetische Nachhaltigkeit.“
Mehrfach klangen bei der Tagung die Probleme an, die entstehen,wenn bei alten Kirchbauten die Energieeffizienz nachgebessert werden soll. Für die energetische Sanierung sollten möglichst schon vorhandene Energiequellen und -speicher optimiert werden, betonte der Kybernetik-Experte Günter Pfeiffer von der Technischen Universität Darmstadt. Stauwärme etwa von Dachböden könne zur Beheizung des Kirchraums genutzt werden. Häufig reichten minimale technische Eingriffe aus, um gute Ergebnisse zu erzielen. „Nachträgliche Dämmung braucht man oft gar nicht, wenn es gelingt, die solare Einstrahlung optimal einzufangen“, so Pfeiffer.
Einig zeigten sich die Experten, dass Baumeister früherer Zeiten oft langlebigere Konzepte und Nachhaltigkeitsideen hatten als ihre heutigen Nachfolger. Der Münchner Professor für Bauklimatik, Gerhard Hausladen, brachte es salopp auf den Punkt: „Wenn eine Türklinke nach hundert Jahren noch so gut funktioniert wie beim Einbau – dann ist das ein Zeichen hoher Nachhaltigkeit.“
Eine „Energieoffensive“ startete 2008 das Erzbistum Freiburg. Wie dessen Baureferent Gunter Barwig erläuterte, werden Konzepte für die „Optimierung“ aller kirchlichen Gebäude erarbeitet, in enger Kooperation mit den Gemeinden. Dazu gehören auch Um- und Mehrzwecknutzungen von Sakralbauten, ebenso wie regelmäßige Energie-Checks für Gebäude und das Senken der Heizenergie. „Ideal ist in der Regel eine Grundtemperatur von 8 Grad und eine Temperatur von 13 Grad während der Nutzung – die Gemeinden sind davon nicht immer begeistert“, räumte der Jurist ein.
Nachhaltigkeit ist jedoch nicht nur beim Bauen und Nachrüsten von Kirchen wichtig, sondern auch beim Abriss, wie Krippner betonte. Mehr als neu gebaut, werden mittlerweile Gotteshäuser geschlossen und abgerissen. „Die Kirchen stehen auch hier in der Verantwortung, nach modernen Umweltstandards zu handeln und besonders darauf zu achten, dass beim Abriss alle Materialen angemessen entsorgt werden.“ Das sei längst noch keine Selbstverständlichkeit.

Von Karin Wollschläger