02.03.2017

Anstoß 09/2017

Nimm und lies!

Als Kind war ich eine absolute Leseratte. An freien Nachmittagen zog ich mit leerem Ranzen in die Bibliothek, um ihn gut gefüllt wieder nach Hause zu tragen.

Nach 14 Tagen brachte ich den Stapel unter den ungläubigen Blicken der Bibliothekarin ausgelesen zurück. Manchmal stellte sie mir Fragen, um herauszufinden, ob ich wirklich alles gelesen hatte. Hatte ich!
Leider vergesse ich heute viel zu schnell die Details und was ich wo gelesen habe. Aber die Leselust und die Neugier auf gedruckte (und digitale) Geschichten und Informationen sind noch da.
Bücher sind längst teurer als damals. Trotzdem haben sich die Zugangsmöglichkeiten immens erweitert. Die Lese- und Informationswelt ist geradezu explodiert. Es gibt unglaublich viel Lesefutter: Bücher, Zeitschriften, Broschüren. So manches Angebot zur Horizonterweiterung liegt sogar kostenlos bereit, nicht zuletzt in den Vorräumen unserer Kirchen. Auch da ist das Spektrum breit: vom eigenen Gemeindebrief, über Angebote zu Glaubensfragen und Besinnungstagen, Themenheften der Ordensgemeinschaften oder den kirchlichen Hilfswerken bis hin zu ganzen Büchertischen ist vieles zu entdecken.
Was davon wohl seinen Leser findet? Der Gemeindebrief sicher immer - und dann? Kürzlich habe ich bei uns einen Stapel der Missio-Zeitschrift Kontinente nach drei Monaten nahezu vollständig wieder aus der Kirche getragen – und dank Weltgebetstag andernorts Leserinnen dafür gefunden.
Es mag sein, dass der Lesestoff in den Kirchenregalen hier und da eine durchwachsene Mischung aufweist. Aber ganz sicher gibt es dort immer wieder auch kleine Schätze zu entdecken. Vielleicht eine Anregung für die Fastenzeit: die Aufmerksamkeit für diesen Lesestoff zu schärfen. Womöglich entdecken sie einen Impuls der Misereor-Fastenaktion, lassen sich zu einem Vortragsabend locken oder halten Ausschau nach dem Infoblatt des Bibelwerkes zur überarbeiteten Einheitsübersetzung, in der es sich auf jeden Fall zu lesen lohnt. Vielleicht haben sie auch einen Tipp für Ihre Gemeinde, um  diesen Bereich der Kirche einladender zu gestalten. Oder Sie entdecken, dass es wert ist, es weiter zu sagen: Nimm und lies!

Angela Degenhardt, Sangerhausen