16.03.2017

Roßbacher Filmwochenende

Oscarreifes Programm

Bereits im vierten Jahr waren Jugendliche und junge Erwachsene zu einer Entdeckungsreise im Kinosessel eingeladen. Im Roßbacher Jugendhaus und im Naumburger Kino fand das Filmwochenende statt.

Julia Plehn (hinten) und weitere Teilnehmerinnen gestalten sich ein Film-Tagebuch. Foto: jupast

„Ich bin dann mal weg“ oder so ähnlich haben die Jugendlichen ihren Eltern sicher zugerufen, als sie sich am 3. März auf den Weg zum Filmwochenende in die Jugendbildungsstätte Sankt-Michaels-Haus in Roßbach machten. Auch Julia Plehn aus Magdeburg war unter ihnen.
„Ich bin dann mal weg“ hieß dann auch der erste Film, mit dem das Wochenende am Freitagabend begann. Ein Kinosaal wurde extra eingerichtet und zuvor erst einmal von Referent Stephan Schmitz-Tekaath das Wissen der Jugendlichen über die Welt des Kinos getestet. Und dann ging es los mit dem Anschauen des Films zu Harpe Kerkelings gleichnamigem Buch „Ich bin dann mal weg“. In dem Film geht es um die Erfahrungen des Komikers, Autors und Entertainers auf seinem Pilgerweg nach Santiago de Compostela.

Über den Film schnell im intensiven Gespräch
„Wir haben im Gespräch danach schnell gemerkt, dass sich in dem Film gut Bezüge zu unserem Leben finden lassen“, erzählt die 15-jährige Julia. „Schon allein vom Titel her: ,Ich bin dann mal weg.‘ Das passt gut zur Fastenzeit: Sich mal rauszunehmen aus dem einen oder anderen, dazu ist ja jeder aufgefordert. Ich verzichte zum Beispiel auf Schimpf- und andere Worte wie krass, Alter, Mega, geil in der Fastenzeit.  Oder sich zu fragen, wie man zu Gott steht: Als Kerkeling im Film danach gefragt wird, ob er glaubt, antwortet er zunächst: Was ist das denn für eine Frage? Aber merkt dann bald, dass er es tut.“
Am Samstagvormittag waren die elf jungen Teilnehmer, evangelische und katholische Jugendliche und junge Erwachsene aus Halle, Magdeburg, Quedlinburg und Weißenfels, dann eingeladen, sich zu dem Film eine Art Reisetagebuch (Bullet Journal) zu gestalten. Dazu sollten sie auch zu ausgewählten Filmzitaten in kleinen Gruppen Szenen erarbeiten und diese per Foto festhalten. Zitate aus dem Film waren zum Beispiel „Manche Begegnungen bringen mich weiter, manche nicht.“ oder „Manchmal ist das Universum für eine Überraschung gut.“
Im weiteren Programm waren die jungen Leute dann aufgefordert, mit prägnanten Ausschnitten den eigenen Lieblingsfilm vorzustellen. „Mit zwei Freundinnen haben wir uns für ,Monsieur Claude und seine Töchter‘ entschieden, der gerade erst im Kino lief“, erzählt Julia. Monsieur Claude hat vier Töchter und hat sich mit seiner Frau für sie normale, also katholische Schwiegersöhne gewünscht. Doch eine Tochter ist mit einem Muslim, eine weitere mit einem Juden und die dritte mit einem Chinesen verheiratet. Die große Hoffnung lastet nun auf der letzten der Töchter.  Die bringt tatsächlich einen katholischen Mann mit nach Hause, aber der ist Afrikaner. Doch am Ende verstehen sich alle richtig gut.“
Am Samstag nachmittag schauten sich die Teilnehmer dann den gerade oscarprämierten Film „La La Land“ im Naumburger Kino an und diskutieren im Anschluss in kleinen Fachrunden über verschiedene Filmaspekte und die filmischen Mittel. Auch ein Austausch mit dem Geschäftsführer des Kinos, Rudolf Reulbach, kam zustande. „Als Jugendhaus und Arbeitsstelle für Jugendpastoral pflegen wir solche Kontakte in der eigenen Umgebung natürlich bewusst“, so Jugendbildungsreferent Stephan Schmitz-Tekaath.

Gottesdienste mit Filmszenen und -musik
Auch die Morgen- und Abendimpulse während des Wochenendes und der Sonntagsgottesdienst waren mit Filmszenen und Filmmusik gestaltet. Und am Ende vergaben dann die Teilnehmer „Oscars“ für die einzelnen Aktivitäten des Filmwochenendes.
„Mir hat es wieder sehr gut gefallen“, resümiert Julia Plehn. „Wir kommen über die Filme richtig gut ins Gepräch über unser Leben und den Glauben. Da kommen dann Diskussionen auf, wie etwas in der Bibel zu verstehen ist und vieles mehr. Und außerdem trifft man alte Freunde und lernt neue Leute kennen“, so die 15-Jährige, die schon im vierten Jahr beim Filmwochenende dabei war und auch sonst regelmäßig an den Angeboten im Jugendhaus teilnimmt. „Ich finde, man kann das Filmwochenende so wie es war im kommenden Jahr wieder machen“, meinte sie abschließend, und vergab einen „Oscar“ für das Gesamtprogramm.

Von Eckhard Pohl und Stephan Schmitz-Tekaath