11.02.2016

Katholikentag in Leipzig

„Spannend, informativ, offen für Neugierige“

Leipzig (mh). Die Vorbereitung des Leipziger Katholikentages Ende Mai kommt in Fahrt. Die Veranstalter stellten jetzt die Programmschwerpunkte vor. Das vollständige Programm gibt es ab Ende März. Außerdem werden noch Privatquartiere gesucht.

Mit der Aktion "Gast sucht Rast" möchten die Verantwortlichen des Katholikentages bei Privatpersonen dafür werben, privat Besucher des Kirchentreffens aufzunehmen. Foto: Matthias Holluba

„Wir werden einen spannenden Katholikentag erleben, mit vielen Innovationen und offenen Angeboten für alle Neugierigen.“ Davon ist der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, überzeugt. Deshalb warb er mit diesen Worten bei der Vorstellung der Programmschwerpunkte für den Ende Mai in Leipzig stattfindenden Katholikentag. Veranstalter sind das ZdK und das Bistum Dresden-Meißen.
Dass der Katholikentag in Leipzig stattfindet, hat im Programm seine Spuren hinterlassen: „Wir kommen in eine so säkularisierte Stadt, wie wir sie im Westen nicht oder noch nicht kennen“, sagt Sternberg. Ihm ist deshalb um so wichtiger, dass für den Leipziger Katholikentag besonders gilt, was für alle anderen vorher auch galt: „Wir wollen alle Menschen guten Willens in den Dialog einbeziehen.“ Es gehe nicht um Christen- oder Kircheninteressen. „Im Vordergrund steht unsere gemeinsame Verantwortung für die politisch-gesellschaftlichen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf Menschen in aller Welt.“ Und deshalb heißt Sternbergs Einladung an alle: „Kommt und seht!“

Neu: Themenschwerpunkt „Leben mit und ohne Gott“
Schwerpunkte des Programms werden die Themen Flucht und Migration, das Menschenbild der Religionen und Zukunftsfragen sein. Dazu kommen die geistlichen und kulturellen Angebote. Bei den Gottesdiensten wird auch zu Formen eingeladen, die auf dem ostdeutschen Hintergrund entstanden sind. So soll es neben dem zentralen Gottesdienst am Fronleichnamstag auch einen Gottesdienst geben, den der Stadtökumenekreis von Leipzig vorbereitet. Im Osten Deutschland muss natürlich der Themenbereich Ökumene eine Rolle spielen, zumal der Katholikentag ein Jahr vor dem Reformationsgedenken 2017 im Kernland der Reformation stattfindet.
Der besonderen religiösen Situation in Leipzig mit einer kleinen Minderheit von Christen verdankt der Katholikentag den neuen Themenschwerpunkt „Leben mit und ohne Gott“. Das soll eine Einlasung an alle sein, die neugierig auf den Katholikentag sind. Alle Angebote dieses Themenbereichs sind kostenfrei zugänglich. Hier wird es beispielsweise ein Gespräch unter der Überschrift „Ich glaub nichts, mir fehlt nichts“ mit dem Thüringer Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Die Linke) und Kneipengespräche „Über Gott und die Welt“ unter anderem mit dem Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt geben.
Der Leipziger Propst Gregor Giele hofft, dass es dem Katholikentag gelingt, christliche Inhalte neu zur Sprache zu bringen. Dass der Katholikentag zu seinem Jubiläum nicht in eine der großen christlichen Metropolen wie München oder Köln geht, sondern mitten in die ostdeutsche Diaspora, ist für ihn eine große Chance. „Viele Menschen hier sind bereits in der dritten Generation ohne Bezug zu einer Religion. Das bedeutet, es gibt eine große Fremdheit, auch eine Art Scheu, sich mit diesen ihnen fremden Themen auseinanderzusetzen. Der Katholikentag wird die Aufgabe haben, auch und gerade diese Menschen zu erreichen und sie mit einer Sprache anzusprechen, die auf binnenkirchliches Vokabular weitestgehend verzichtet“, sagt Giele, der auch der Beauftragte des Bistums Dresden-Meißen für den Leipziger Katholikentag ist. Wie sich die ostdeutschen Katholiken insgesamt dieser Herausforderung stellen, auch darauf wird man in Leipzig Antworten finden können. So stellen sich die fünf ostdeutschen Bistümer nicht nur beim traditionellen Abend der Begegnung vor, sondern sie werden auch während des gesamten Katholikentages in der Petersstraße zu Gespräch und Begegnung einladen.
Zwar findet der Katholikentag ohnehin mitten in der City statt, doch die Veranstalter wollen mit zusätzlichen Aktionen im öffentlichen Raum um Passanten werben, der sich nicht dezidiert zu einer Veranstaltung aufmachen. Dazu gehört etwa das Projekt „Off Church“. In der Stadtmitte sollen es fünf stilisierte liturgische Orte geben, darunter eine Kanzel mit der Aufforderung: „Geh hoch und sag was Nettes!“ An einer Fürbittenwand können digital Anliegen eingegeben werden. Nach dem Druck auf die Enter-Taste ertönt das „Wir bitten dich, erhöre uns.“ Geplant ist außerdem ein Zelt mit einem nachgebauten Tabernakel, der als Briefkasten dient für „alles, was mir wichtig und heilig ist“. Die dort eingeworfenen Zettel kommen allabendlich in die Propsteikirche und werden dort aufgehängt.

Viel Prominenz, Kanzlerin mit Fragezeichen
Natürlich wird auch in Leipzig zahlreiche Prominenz aus Kirche, Politik und Gesellschaft zu treffen sein. Bundesminister wie Thomas de Maizière, Bischöfe wie Kardinal Reinhard Marx aus München oder hochrangige Vertreter anderer Konfessionen oder Religionen werden kommen. Erwartet wird Bundespräsident Joachim Gauck, der am Eröffnungstag sprechen soll. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat großes Interesse an der Teilnahme bekundet. Ob sie kommen kann, hängt von der Terminplanung des zeitgleich in Japan stattfindenden G7-Gipfels ab.

Mehr zum Katholikentag (unter anderem ab Ende März das vollständige Programm)

Katholikentag sucht 4000 Privatquartiere
150 Ehrenamtliche sind in diesen Tagen in Leipzig und Umgebung unterwegs, um für die Bereitstellung von Privatquartieren für die Besucher des Katholikentages Ende Mai zu werben. Benötigt werden 4000 Privatquartiere. Die Veranstalter sind zuversichtlich: „Wir setzen hier auf die Jahrhunderte alte Tradition der Gastfreundschaft in der Messestadt“, sagte Katholikentags-Geschäftsführer Martin Stauch bei der Eröffnung der Aktion „Gast sucht Rast“ auf dem Leipziger Hauptbahnhof. Gesucht würden nicht nur „katholische Betten“. Gastfreundschaft kenne keine Konfession, so Stauch. In diesem Sinne appellierte auch Leipzigs Kulturbürgermeister Michael Faber an die Leipziger: „Machen Sie ein Bett frei für unsere Gäste!“ Wer das tun will: 03 41/52 57 52 52, betten@katholikentag.de, www.katholikentag.de/betten