02.03.2017

Sorbische Jugendreferentin des Bistums Dresden-Meißen

Weit mehr als Traditionspflege

Luzia Schkoda möchte, dass heranwachsende Katholiken ihre Kirche als lebendig, vielfältig und gesprächsbereit erfahren. Als sorbische Jugendreferentin des Bistums Dresden-Meißen hilft sie mit, solche Erfahrungen zu ermöglichen.

Luzia Schkoda im Räckelwitzer Don-Bosco-Haus vor einer Abbildung des Seligen Alojs Andritzki.| Foto: A.Kirschke

An den ersten Jugendgottesdienst, den sie als sorbische Referentin für Jugendseelsorge im Bistum Dresden-Meißen mitgestaltete, kann sich Luzia Schkoda noch sehr gut erinnern. Am Christkönigsfest 2015 ging es in Crostwitz um menschliche Schwächen. Was zunächst als Schwäche erscheint, hat oft auch etwas Gutes, entdeckte sie gemeinsam mit den Jugendlichen des sorbischen Dekanatshelferkreises, mit Jugendseelsorger Gabriel Nawka und Kollegin Lenka Lange. Ob man faul ist oder sich einfach mal Ruhe gönnt, schüchtern oder unaufdringlich ist, unordentlich oder liebenswert chaotisch, ist zuerst eine Frage des Blickwinkels, aus dem man sich selbst und andere betrachtet.

Die Fastenzeit ist Hochsaison für Luzia Schkoda
„Ich kann mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass Kirche lebensnah, lebendig und vielseitig erscheint“, erzählt die 23-Jährige. Dabei bezieht sie stets andere Jugendliche mit ihren Ideen und mitunter auch mit ihrer unverhohlenen Kritik ein. Rund 25 junge Sorben gehören zum Helferkreis. Luzia Schkoda spürt bei ihnen ein großes Bedürfnis, über ihren Glauben zu reden, offen zu diskutieren und sich zu engagieren.
Nicht nur an ihrer Arbeitsstätte, dem sorbischen Don-Bosco-Jugendhaus in Räckelwitz und bei zentralen Veranstaltungen trifft sie die Jugendlichen. Besonders im Frühjahr ist sie viel in den sorbischen Pfarrgemeinden unterwegs und besucht die jungen Katholiken an ihren Wohnorten, in Crostwitz, Ostro, Nebelschütz, Ralbitz, Radibor, Storcha, Wittichenau, Panschwitz-Kuckau und Bautzen.
Besonders intensiv erlebt sie die Gemeinschaft der sorbischen Jugendlichen in der Fastenzeit, die geprägt ist von Veranstaltungen wie den Abendvespern an verschiedenen Orten, dem Jugendkreuzweg der sorbischen Jugend  am Palmsonntag in Nebelschütz und der meditativen „Durchwachten Nacht“, die in diesem Jahr am 1. April in Ostro stattfindet und „500 Jahre Reformation in der Lausitz“ in den Blick nimmt. Auch die traditionellen Werkstatt-Tage im Winfriedhaus sind in diesem Jahr vom Jahresbeginn in die Fastezeit verlegt worden.

Soziales Engagement ist Herzenssache
Gern erzählt Luzia Schkoda dabei auch von sich und ihrem eigenen Weg mit Gott. In Wendischbaselitz bei Kamenz wuchs sie auf. Ihre Mutter, die im Kamenzer Caritas-Altenheim St. Georg arbeitet, war ihr ein Vorbild für soziales Engagement. Jahrelang nahm die Mutter Luzia und ihre drei jüngeren Geschwister an Heiligabend mit zu einer Weihnachtsfeier im Pflegeheim, bei der sie die Bewohner mit Liedern und Gedichten erfreuten. „Das war für uns eine Herzenssache. Erst danach folgte unsere eigene Bescherung zu Hause“, erinnert sich die junge Frau.
Den Wunsch, wie ihre Mutter für Bedürftige da zu sein, spürte sie bereits früh. „Von dem Glück, das ich selbst im Leben habe, wollte ich anderen etwas zurückgeben“, erläutert sie. Als Schülerin machte sie ein Praktikum im Kamenzer Altenheim, später absolvierte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Behindertenwerkstatt im Kloster St. Marienstern. Ein dreijähriges Studium der Sozialen Arbeit in der erzgebirgischen Berufsakademie Breitenbrunn mit diversen Praxisphasen in einem Pflegeheim in Hoyerswerda schloss sich an.
Bevor sie ihre Arbeit in der Jugendseelsorge antrat, war sie mit einer halben Stelle für die Offene Jugendarbeit im Bautzener „Treff im Keller“ verantwortlich. Bei ihrer jetzigen Arbeit fühlt sie sich so sehr in ihrem Element, dass sie hofft, dass aus der zunächst bis Oktober befristeten Stelle etwas Dauerhaftes wird. Es gefällt, ihr, Jugendliche im Glauben zu stärken und zu begleiten. Dass sämtliche Veranstaltungen in ihrer sorbischen Muttersprache stattfinden, ist ihr dabei ebenfalls wichtig. „Glaube und Sprache gehören für uns zusammen“, betont sie.

Von Andreas Kirschke